Hermann Bohner: Lebensweg

(ヘルマン  ボーナー)
1884-1963

Hermann Bohner („ein kauziger, etwas verrückter Gelehrter“), [1] der, wie so viele der bedeutenden Sinologen und Japanologen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aus einer Missionarsfamilie stammt, wurde am 8. Dezember 1884 in Abokobi (Goldküste; heute Teil Accras ) – als zweiter Sohn – geboren. Er war insgesamt 41 Jahre in Ōsaka als Sprachlehrer und Übersetzer japanischer Geschichtsquellen tätig.
Nach kurzer Krankheit starb er am 24. Juni 1963 in Kobe, wo er auf dem Ausländerfriedhof (神戸市立外国人墓地) am Futatabi-san begraben liegt.

In einem von Maki Yoshikazu, Professor emeritus der Fremdsprachen-Universität Ōsaka, verfassten Aufsatz mit dem Titel „Altmeister Bōneru (Bohner umschrieb seinen Namen meist – phonetisch korrekter – als „Bōnā (ボーナー)-sensei“ („Altmeister Professor Bohner“), der in Fortsetzungen in der Zeitschrift Die Brücke erschien, findet sich folgende Passage:

Professor Bohners wissenschaftliche Arbeit speist sich aus der sogenannten Tradition des Pfarrhauses. Aus der Verbindung von Protestantismus einerseits und Wissenschaft und Kunst andererseits gingen zahlreiche exzellente deutsche Gelehrte hervor, Männer wie Lessing, Nietzsche oder Albert Schweitzer, allesamt Pfarrerssöhne, [2] die zu den bedeutendsten Geistern des Jahrhunderts gehörten, in dem sie lebten, und Werke von überragender Bedeutung hinterließen. Bohners Schwager, der Sinologe Richard Wilhelm, und der Japanologe Wilhelm Gundert, mit dem Bohner ein Leben lang befreundet war, gehörten ebenfalls zu jener Gruppe von Gelehrten, die einem Pfarrhaus entstammten. … Charakteristisch für ihre Art des wissenschaftlichen Arbeitens war die gründliche Aneignung klassischer Sprachen, Voraussetzung für das Studium der Theologie, und darauf fußend eine philologisch begründete Kenntnis von Sprachen, verbunden mit einer wissenschaftlichen Einstellung, die die Härte eines asketischen Lebens nicht scheut.'
In diesen Zeilen, so scheint mir, finden sich alle Charakteristika, die Bohners wissenschaftliche Einstellung ausmachten. [Watanabe Kō].
Schusterei.
Heinrich Bohner, als Schuster.
Schulbau Haubinda.
 Die Hermann-Lietz-Schule in Haubinda, an der Bohner ein Jahr lehrte. Seit 2001 privatisiert und elitäres Internat mit hohem Schulgeld.

familie und jugend

Die Familie stammte aus dem nördlichsten Zipfel der damals bayerischen Rheinpfalz, aus Feil nahe der Ebernburg. Die Region ist ein Hort evangelikalen Sektenwesens. Der Vater [Philipp] Heinrich (1842–1905; Sohn von Phillip Heinr. *1804 und Barbara, geb. Blätz *1814), gelernter Schuster – daher in seiner, von Sohn Theodor verfaßten, Biographie auch „Gottes Schuster“ – war ab 1863 für die Basler evangelische Missionsgesellschaft an der Goldküste tätig. Er wurde 1875 ordiniert und war stark in der Bekämpfung der Sklaverei engagiert. 1886 wechselte Heinrich Bohner nach Kamerun, dem neuen Schutzgebiet des deutschen Kaiserreichs. Dort leitete er als Präses zwölf Jahre lang die bedeutende Basler Mission, pdf für die er über 100 Außenstationen und Schulen errichtete. In deren „Dienstaweisung“ findet sich: „Der Neger wird sklavisch gehorchen, wenn er muß; aber nie wird sein Herz teilnehmen an dem was ihm abgenötigt wird. Darum gilt es ihn durch Erweise echter Liebe zu gewinnen und ihn wie ein Vater sein unmündiges, gedankenloses und leichtsinniges Kind, zu führen.“

Die zehn überlebenden Kinder des Missionars aus seinen zwei Ehen wuchsen „zu Hause“ auf. Seine erste Frau war Frieda geb. Krieg, sie stammte aus Mannheim, die er auf Heimaturlaub am 22. Okt. 1872 in Feil heiratete. Als Braut gewählt hatte er sie aus einer „Auswahlliste frommer Mädchen,“ die die Mission bereit hielt. Sie gebar in Afrika zwei Töchter, verstarb aber schon im Mai 1875 in Abokobi. Die ältere Tochter starb ebenfals jung. Die zweite Ehe schloß er in Afrika mit (Jo)hanna, der jüngeren Schwester Friedas (1853–1939), die er nach Ende des Trauerjahr brieflich angefordert hatte. [4] Alle Geschwister wurden nach Europa geschickt: „Für die Bohnerkinder kam der gefürchtete Dampfer, sobald sie dreißig Monate alt waren. […] Klara und Willi Bohner waren die ersten weißen deutschen Kinder die in Kamerun zur Welt kamen, Klara ein Jahr früher als Willi.“ Nach der endültigen Rückkehr des Paares, der jüngste Sohn Heinrich verstarb noch kurz vor der Abfahrt, wohnte man mit den je fünf überlebenden Töchtern und Söhnen in der Bahnhofsstraße in Lörrach. Heinrich sen. verdingte sich als Vortragsredner für die deutsche Kolonialgesellschaft. „Er hat fünf Töchter im Hause. […] In der Stadt ist es eine Sorge. Ausbildung, die er den Ältesten hat angedeihen lassen ist fehlgeschlagen, wahrscheinlich, weil eben doch die Eltern so fern waren. Einfache Krankenschwestern, wie er es ihnen vorschlägt, wollen sie nicht werden. Freier zeigen sich nicht. […] Leichter ist es mit den Söhnen. Sie gehen ihre glatte Laufbahn in der Schule und an der Universität. Dafür liegen ihre Bibeln ungelesen irgendwo auf dem Bücherbord. […] Trotz seines oft geäußerten Wunsches studiert nur ein einziger Theologie [Hermann] …“ Nach Speyer übersiedelt stirbt Heinrich beim Mittagessen am 21. März 1905. Die Witwe Hanna, zunächst in Mannheim lebend, verbrachte ihre letzen Tage im evangelischen Damenstift in Kaiserslautern.

Die Elterngenation: Heinrich Bohner und seine Frauen

  • Heinrich Bohner in seinen 30ern.
  • Frieda Bohner-Krieg († 1875).
  • Hanna Bohner, geb. Krieg.
  • Die Bohners „am Kamerunfluß.“
  • Heinrich Bohner im Alter.
  • Hanna Bohner mit 80.

Auf die ersten Schuljahre Hermanns in der Knabenabteilung der nach Geschlechtern getrennten beiden Kinderhäuser der Mission in Basel – dort lebten Anfang der 1890er bis zu sechs der Geschwister gleichzeitig – folgten die Gymnasien in Lörrach (1899–1901) und Speyer 1901–03. Daraufhin studierte er evangelische Theologie (auch Geschichte, Philosophie) zunächst in Tübingen, dann Halle. Dieses wurde 1907 durch die Theologische Dienstprüfung vor dem pfälzischen Konsistorium abgeschlossen. Erwähnenswert scheint seine – bis ins hohe Alter – sehr schöne Handschrift; sei es kurrent, lateinisch oder japanisch. Es folgten Studien in Straßburg (ab 9. Juni 1912), in Hebräisch und Deutsch mit dem Ziel der Oberlehrersprüfung, die er am 22 Nov. 1912 bestand. 1913 erhielt er für ein Jahr eine Anstellung als Lehrkraft im Landerziehungsheim Haubinda des Reformpädagogen Hermann Lietz, eine Stelle die ihn tief beeinflußte.

Aus Bewunderung für Richard Wilhelm [5] folgte ab Frühjahr 1914 eine Tätigkeit als Lehrer für den Allgemeinen evangelisch-protestantischen Missionsverein am Deutsch-Chinesischen Seminar in Tsingtao (青島). Er hatte sich im Juli 1913 auf eine Anzeige in der Christlichen Welt beworben, als er an einer Knabenschule im badischen Königsfeld unterrichtete. Vor seiner Abreise, am 19. März 1914 von Genua, schloß er in Erlangen noch seine Promotion ab. Sein Anfangsgehalt betrug 4500 ℳ bei freier Wohnung, damals durchschnittlich für einen „Gymnasialprofessor.“ (Beamtete Lehrer an der staatlichen Lehranstalt erhielten nach Dienstalter 1800-4200 ℳ plus 3200 ℳ Zulage pro Jahr).

1914 bis 1922

Propagandapostkarte 1914.

Mit Kriegsbeginn – einen Monat nach seiner Ankunft – begann sein Einsatz als einfacher Soldat. Die 4. und 6. Kompanie des III. Seebataillons (Bohners Einheit; Kommandeur: Oberleutnant Buttersack) sicherten unmittelbar vor der Kapitulation am 7. November die Zwischenräume des rechten Flügels. Sofort nach der Niederlage wurden die Angehörigen des III. Seebatallions [6] von der Bismarckkaserne in den knapp 20 km östlich gelegenen Stützpunkt Schatsy k’ou (Schatsou-k’ou; 沙子口 ) verlegt, von wo sie verteilt auf mehrere Transporte nach Japan gebracht wurden. Für die Teilnahme an den Kampfhandlungen wurden deutscherseits folgende Auszeichnungen „nachgereicht:“ 1; Eisernes Kreuz II. Klasse am 25. Okt. 1920, 2; Kolonialabzeichen am 22. März 1922, 3; Ehrenkreuz für Frontkämpfer am 14. Jan. 1936, wobei die beiden letzteren auf Antrag erhältlich waren.

Nach dem Fall Tsingtaos gelangte er in japanische Kriegsgefangenschaft. Zunächst war er im Lager Matsuyama, (Gef.-Nr. 2794, Heimatort: Mannheim); ab Apr. '17 in Bandō. Das dortige „Adressbuch“ vom Nov. 1917 gibt seine Gefangenen-Nr. als IV-95, untergebracht war er in Baracke IV, Raum 7. In den Lagern lernte er im Selbststudium Japanisch. Er hielt Vorträge zu Kunst und deutscher Literatur, die in der Lagerzeitschrift Die Baracke dokumentiert sind. Die Freilassung erfolgte erst zur Jahreswende 1919/20.

Zunächst folgte ein Aufenthalt bei der schweizer Familie Hunziker [7] in Tōkyō, mit denen Bohner wohl schon von der Überfahrt oder aber den zahlreichen (? 9) Besuchen Jakobs in den Lagern zur Unterstützung der Gefangenen bekannt war. Bald übernahm Hermann Bohner 1920 kommissarisch die Leitung der Anstalt in Tsingtao bis Dr. Seufert, der Nachfolger Wilhelms, ankam (Die Tätigkeit der ev. Missionsschule war auch unter der Besatzung fast uneingeschränkt weitergegangen).

ōsaka gaikokugo gakkō

Am Schreibtisch.
Hermann Bohner am Schreibtisch.

Im Dezember 1921 erfolgte der Ruf an die neugegründete Ōsaka Gaikokugo Gakkō (bis 1979: 8 chome, Uehonmachi, Tennōji-ku; 大阪外国語大学) die ihren Betrieb zum Beginn des neuen Rechnungsjahres am 1. April 1922 aufnahm. Choko Hayashi (1873-1945) hatte eine Million Yen gespendet. Die Anstalt ist 2007 in der Osaka Universiät aufgegangen, sie war seit 1949 auf Englisch als Osaka University of Foreign Studies bekannt und hatte einen anerkannt hohen Standard. Als Deutschlehrer (Lektor; in höheren Klassen auch Geschichte, Literatur und Griechisch) gab er sechzehn Wochenstunden.

Am 28. Aug. 1923 heirateten Hermann und Hanna Blumhardt („Die zweitjüngste Tochter Hanna (geb. 19.3. oder 19.9.1883) kam 20.5.1902, zusammen mit ihrem Vetter Benjamin Blumhardt, nach Tsingtau und half ihrer Schwester zunächst bei der Kindererziehung, unterrichtete dann an der chines. Mädchenschule. Ende Juni 1914 reist sie, über Sibirien, auf Urlaub nach Deutschland. Am 18.7.1915 verließ sie Bad Boll, reiste über Kopenhagen–New York–San Francisco zu ihrer Schwester Salome [verh. mit Richard Wilhelm] in Shanghai, wo sie am 19.9. eintraf. Sie durfte dann im Herbst 1916 mit ihr nach Tsingtau zurückkehren. 1920 fuhr die Famile Wilhelm nach Deutschland, Bohner vertrat den AEPM in Tsingtau von 1920 bis zum 31.3.1922. Hanna blieb 1920 in Tsingtau und arbeitete bis 1923 als Schwester am Faberkrankenhaus.“ Von http://biographien.tsingtau.org/blumhardt-benjamin-1875-1953-missionar/) (1883–1971) in der tsingtauer Christuskirche und am selben Tag auch standesamtlich vor dem deutschen Konsul. Sie wurden kirchlich getraut von Wilhelm Seufert, als Trauzeugen fungierten die Krankenschwester Ida Müller und Prof. Othmer. Die Braut, deren Vater ebenfalls als Missionar nach Tsingtao gekommen war, war eine Schwägerin Richard Wilhelms – dieser war mit Salome Blumhardt verheiratet. Aus dieser Verbindung sind keine Kinder hervorgegangen.
Bohner war, aus der Wandervogelbewegung kommend, seit seiner Schulzeit ein begeisterter Wanderer. Seine Sommerurlaube verbrachte er meist in Karuizawa (軽井沢), wo sich – schon vor dem ersten Weltkrieg – die in Japan ansässigen Deutschen informell zum Erfahrungsaustausch trafen. (Die japanische Regierung ordnete 1943 die Evakuierung der in Yokohama wohnenden Deutschen dorthin an). Das japanische Erziehungsministerium (Mombusho) ernannte Hermann Bohner 1925 zum kaiserlichen Beamten.
Zeitgenössische Adressbücher geben Bohners Anschrift (1926) mit 535 Sumiyoshi-cho; Sumiyoshi-ku, Osaka; später: Kitashowamachi 26 (北昭和町), Nishinomiya-Kitaguchi, Hyōgō-ken. [8] Nicht weit zog er Ende 1936, nämlich im selben Distrikt Nakarenyo 799-3. Nach seiner Rückkehr aus Europa im Herbst 1937 lebte man dann einige Monate unter der Anschrift Komiya-chō 41, Tennōji-ku, Osaka bis man ab Anfang 1938 wieder nach Nishinomiya zog: Naka-za, Kami-sanno-tsubo 758.

„In unserem Haus in Kobe hat sich mir sicher kein Gast so nachhaltig eingeprägt, mit keinem habe ich so viele sonntägliche Familienwanderungen erlebt, wie mit Herrn Bohner aus Nishinomiya (einer eine halbe Stunde weiter östlich gelegenen Stadt unweit von Ôsaka), meist zusammen mit seiner Frau. Herr Bohner – so hieß er in der Familie – war eine in jedem Sinne eindrucksvolle Gestalt: großer, schon etwas sparsam behaarter Schädel, mit einer Nickelbrille auf der Nase, die sich tief in den Nasenrücken eingegraben hatte und die häufig zum Putzen mit dem Taschentuch abgenommen wurde – die Augen wirkten dann irgendwie unklar, fast gebrochen. Er studierte viel …: gebeugt an seinem Schreibtisch sitzend, in seinem Arbeitszimmerchen neben dem Wohnzimmer, und mit einem Füllfederhalter schreibend, ein richtiger Gelehrter eben.
Sozusagen unzertrennlich gehörte für uns dazu seine Frau: Hanna geb. Blumhardt. Sie stammte aus dieser bedeutenden württembergischen, an der Gründung der Basler Mission beteiligten Theologenfamilie aus Bad Boll (bei Göppingen); die Ev. Akademie verweist dort heute auf ihre Wirkung. Frau Bohner war in China aufgewachsen; sie half ihrem Mann bei seiner Arbeit, indem sie ihr kleines japanisches Häuschen mit winzigem Vorgärtchen in Ordnung hielt und sie beide versorgte. Sie selbst vertiefte sich in japanische Künste: besonders in die Kunst oder den ‚Weg‘ () des Blumensteckens, eine auch heute von Millionen ausgeübte, hochentwickelte und in verschiedene Schulen geteilte Kunst mit viel Neben- und Hintersinn, die zugleich die Vergänglichkeit zelebriert. Weiterhin in die Kunst des Malens und Schreibens mit dem Tuschpinsel (beides in der japanischen Sprache ein einziges Wort und Zeichen), auch eine der heute noch weit verbreiteten, von vielen Laien ausgeübte Kunstform; und schließlich ins Einfärben von traditionell japanischen Pflanzen- und Blumenmotiven in Tücher, oder des Malens solcher Motive auf Porzellanteller.
Herr Bohner war überaus gelehrt; wichtig vor allem aber für uns Kinder: er konnte erzählen – drastisch und anschaulich, unheimlich und beeindruckend. Meist geschah das auf den gemeinsamen Ausflügen in die Umgebung von Kobe, wandernd durch Täler und über Berge, auf schmalen Pfaden an Reis- und Trockenfeldern entlang. Und meist ging es um die Mythen und Sagen, um die Helden und Gottheiten, die mit diesen Orten verbunden waren. Die Rede war von Fluss- und Feldgeistern, auch von Geistern Verstorbener, die an einem der durchwanderten Orte ‚herumgeisterten‘ und keine Ruhe finden konnten – […] Erst viel später habe ich begriffen, dass er das Schriftdeutsche mit einem leichten Basler Akzent sprach; das ging auf seine Zeit als Schüler zurück, als er an einer Anstalt der Basler Mission die Schule besuchte.[…]
Wichtig erscheint mir, dass sich Bohner in seinem Studium intensiv mit der Volkskunde (der Kunde vom eigenen Volk) beschäftigt hatte (im Unterschied von der damaligen „Völkerkunde“ oder Ethnologie (diese hatte als ihr Forschungsobjekt die ‚fremden‘, die ‚eingeborenen Völker‘). So hatte er als einer von sehr wenigen Deutschen in Japan ein wissenschaftlich aufgeklärtes Verständnis für diese ‚niedrige‘ Seite der japanischen Alltagskultur, die damals noch durchaus in Blüte stand, vor meinen eigenen Augen und Ohren gewissermaßen, und der Bohner mit eben dem Respekt begegnete, den er zuvor gegenüber der deutschen Volkskultur entwickelt hatte.“ Kindheitserinnerungen von R. W. Müller, Amphibisches Leben: Aufwachsen in zwei Welten; Tokyo 2009, S. 179-80.

Zeitweise war Bohner auch noch als Dozent an der Naniwa Kōtōgakkō und ab 1941 an der Gaiji Senmongakkō tätig. Seine Stellung in Ōsaka – seit 1951 als Professor – behielt er, 41 Jahre lang, bis zu seinem Tod inne, nur von zwei kurzen Deutschlandurlauben 1929 und 1937 unterbrochen. 1937 hielt er sich etwa ein halbes Jahr in Deutschland auf Heimaturlaub auf, schon im Oktober war er wieder in Ōsaka. Dabei kam es zu Bemühungen um eine Professur in Leipzig, die er jedoch nicht erhielt/annahm. [9] Japanischerseits wurden ihm „hohe Orden“ [10] der 5. (22. Dez. 1938) und 4. Klasse verliehen (20. März 1958). Die BRD sprach ihre Anerkennung für „besondere Verdienste“ am 10. Dez. 1954 in Form des Bundesverdienstkreuzes aus. Dessen Verleihung erfolgte am 1. Feb. 1955 während einer Versammlung der OAG Kōbe. Von 1960–63 arbeitete er nur noch in Teilzeit am „Junior College“ der Universität. Eine geplante Deutschlandreise 1963 konnte er nicht mehr antreten.

„Nach 20 Jahren Forschung und Publikationen (meist auf eigene Kosten oder mit geringen Zuschüssen im Rahmen der auch als Verlag tätigen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens in Tōkyō) unternahm er 1938 [11] den Versuch, sich um einen Lehrstuhl in Leipzig zu bewerben. Davon nahm er jedoch fluchtartig Abstand, als er dort einige ihm – politisch unerfahren wie er war – unverständliche Dinge erlebte, nach über zwanzig Jahren Abwesenheit ohnehin wenig über das „neue Deutschland“ im Bilde. Und dies, obgleich er an der zweiten Stelle der Berufungsliste stand; tatsäschlich wurde ihm dann ein nicht auf der Liste stehender, sehr wenig durch Publikationen ausgewiesener Schwager Hitlers vorgezogen. [12] Er hielt sich jedenfalls dem Nazismus fern; auch bat er darum, ihn nicht mit dem ihm 1941 von Hitler ehrenhalber verliehenen Professorentitel anzusprechen. Den Rest seines Lebens verbrachte er an jener – nach 1945 in eine Fremdsprachenhochschule umgewandelten – Lehranstalt. Als er in hohem Alter 1963 nach Deutschland übersiedeln sollte, um eine ihm dort vom Auswärtigen Amt in Aussicht gestellte Pension in Anspruch zu nehmen, verstarb er in Japan an einem „Nervenfieber“ (wie uns seine Frau mitteilte, die nach seinem Tod noch einige Jahre im Haus der Blumhardts in Bad Boll lebte, umgeben von den in einem langen Leben in Japan gesammelten und selbstgeschaffenen Kunstwerken).“
Aus R. W. Müller; Als deutsches Kind in Kobe; 2009, S. 178ff.
Brüder Bohners

In den 1920ern verhalf er seinen beiden jüngeren Brüdern Alfred (*11. Apr. 1884) und Gottlob (*23. Dez. 1888) zu Anstellungen in Japan. Alfred Bohner war 1922–28 als Lektor für Deutsch und Musik an der Kōtōgakko in Matsuyama [13] sowie an der Kadettenanstalt in Hiroshima tätig und promovierte, zurück in Deutschland über die „88 Heiligen Stätten von Shikoku“ (1931). Weiterhin verfaßte er „Ein Jahr in Japan“ (Schaffstern-Verlag, 1942 [14]) und in Monumenta Nipponica 1938: „Tenchi Hachimaru no Koto.“ Die Tochter Hanna wurde am 23. Jan. 1923 dort geboren.
Gottlob Bohner war 1925–28 in Kōchi an der dortigen Kōtōgakko tätig. Er veröffentlichte „Nach Ostasien im Zeichen des Wiederaufstiegs“ (Verlag Hugo Enke, 1931). Gottlobs Sohn Heinrich, der 1925–28 mit seinen Eltern in Japan lebte, besuchte nach 55 Jahren, 1983, Kōchi erneut und hielt die Begrüßungsrede zur Eröffnung der Ausstellung zum 100. Geburtstag Hermanns.

Der ältere Bruder Hermanns, Theodor war ab 1909 Lektor an der Universität Rom (dort wurde auch seine erste Tochter, Eva, geboren bald folgte ein Sohn), vor dem letzten Weltkrieg Schulrat und preußischer Landtagsabgeordneter (bis 1933), danach freischaffender Schriftsteller (ca. 30 Bücher meist zu Afrika [15]) und wurde in Princeton 1947 nochmals Hochschullehrer.

Radierung 1932

HuHBohner 1

Feigen
Kohleradierung (1932) und mit seiner Frau in den 1930ern.

japanologische publikationen

Hermann Bohner hielt es für die Hauptaufgabe der Japanologie „Quellenmaterial durch Übersetzung zugänglich zu machen.“ Dies geschah hauptsächlich durch Publikationen in den verschiedenen Serien der OAG und – für kleinere Schriften – in den Monumenta Nipponica. Vielfach hat er auch durch Druckkostenzuschüsse die Veröffentlichungen selbst mitfinanziert.

„Wegen der schwierigen Zeitumstände zwischen und nach den Weltkriegen kam Bohner nur schwer an deutsche Verlage heran. Dies entmutigte ihn nicht. Er publizierte seine Schriften in Japan, ohne jemals ein Honorar dafür zu erwarten. Ein anderes Hindernis für die Publikation von Bohners Schriften war seine Kompromißlosigkeit gegenüber vom Verleger gewünschten textlichen oder stilistischen Abänderungen. Die etwas poetisch verbrämte Diktion eines überzeugten Lehrmeisters war zu Bohners Natur geworden. Der Leser empfindet solche Verzierungen zunächst als „typisch Bohner,“ sieht dann darüber hinweg in Anbetracht der Fülle der interessanten Informationen, die er zu bieten hat.“
(Heinz Morioka im Vorwort der von ihm herausgegeben und verunstalteten Neuausgabe von „Zen-Worte im Tee-Raume.“)
Selbst sagte Bohner: Der Leser, den Gunsho ruijū-Band … zur Hand nimmt, sieht deutlich unsre „Steinchen-um-Steinchen“-Bemühung: das allen Reichsgeschichten vorangehende Hōōteisetsu, das … Shōtōku-Werk; danach in Monumenta Nipponica [Titel] … und eben diesen als achtes in dichter Reihe folgend Nyōin-shōden. Und so möge dieser kleine Materialbeitrag dem Japan-Historiker dienlich und zur Freude sein.

Seine erste veröffentlichte Übersetzung war 1923 Westgraf und Lu Shang (No. 44). Das erste bedeutende Geschichtswerk Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus (No. 04). Besonders gelungen war seine Übersetzung des Jinnō-Shōtō-Ki 1935 u.d.T. „Buch von der Wahren Gott-Kaiser-Herrschafts-Linie.“ Dafür wurde ihm von der Reichsregierung 1941 ein Prof. e. h. verliehen. Es folgte das Jōgū-Sōtoku-Hō-ō Teisetsu (No. 02), später erweitert auf insgesamt 22 Arbeiten zum Prinzregenten Shōtoku (No. 03), weiterhin zu dem Mönch und Sektenstifter Kōbō Daishi (No. 11).

Links aspphaltierte Straße. Blick auf einstöckige Häuser einer Ladenstraße, davor gehend verschiedene Personen, die Frauen noch im traditionellen Alltagskimono. Vor den Geschäften mehrere Strommasten, höher als die Gebäude.
Straßenbild Kobe (1935).

Neben seiner Lehrtätigkeit fand er immer wieder auch noch die Zeit Vorträge, meist vor der regionalen Ortsgruppe der OAG, zu halten. So z. B. um die Jahreswende 1936/7 zu den Themen „Einführende Worte in die japanische Malerei“ und „Opfer und Selbstaufopferung im Japanischen.“ Im Oktober folgte dann, als Vorbereitung einer Tempeltour: „Die Vorstellungswelt des Buddhismus.“ Ab Kriegsausbruch 1939 ließen derartige Aktivitäten seinerseits auffällig nach.

Eine Evakuierung aus der Wohnung im Ortsteil Himematsu von Nishinomiya scheint nicht stattgefunden zu haben. Offensichtlich überstand man die Bombardierung Kobes am 5. Juni 1945 unbeschadet (offiziell fast 6800 Tote). Über die Situation in der unmittelbaren Nachkriegszeit ist nichts bekannt. Er wurde nicht, wie fast alle anderen Deutschen (“obnoxious Germans” [16]), vom Ausweisungsbefehl der US-Militärregierung 1947 betroffen. Das lag nicht daran, daß er politisch passiv gewesen war, sondern, daß die Auweisungsverfügung Deutsche, die vor 1933 angekommen waren und die über eine gesicherte Anstellung verfügten, schlichtweg nicht mit einschloß. (Inhaftiert wurden von den Amerikanern nur wenige Nazis, die anderen – zahlreich an ihren Evakuierungsorten um Hakone bzw. Karuizawa – durften ihre Aufenthaltspräfektur nur mit Genehmigung kurzzeitig verlassen.)

Später, d. h. nach dem Pazifikkrieg, wandte Bohner sich dem Nō zu. Dabei ist der Versuch einer Gesamtübersicht über diese japanische Art Theater zu spielen unvollendet geblieben. Herausragend sind seine Werke 16 Bu Sesamis (No. 16) und Die einzelnen Nō (No. 20) Weitere pertinente Titel erschienen bis 1960. Auch eine geplante Serie von populärwissenschaftlichen „Japan-Bildern“ konnte er nicht zusammengestellt herausgeben, es existieren nur Teile in mimeographierter Form, denen der endgültige Feinschliff noch fehlt. Im Alter von 71 Jahren stellte er sein Werksverzeichnis zusammen, das die Basis dieser Website bildet. In den folgenden Jahren publizierte er weiterhin, zu verschiedenen Themen, wie dem Bodhisattva Jizō, japanischen Gärten und Keramik.

Zum 1. Apr. 1951 wurde er auch offiziell von seiner Universität zum Professor berufen. Hermann Bohner verstarb im Sommer 1963. Seine Witwe kehrte nach Deutschland zurück, wo sie in Bad Boll bei Verwandten lebend, 1971 verstarb.

Bilder vom Grab Hermann Bohners und eine Beschreibung des Ausländerfriedhofs von Kōbe finden sich auf einer separaten Seite:
» Zum Grab

Ganz auf sich allein gestellt, ohne fremden Auftrag, ohne irgend ein Entgelt hat Hermann Bohner vierzig Jahre lang unser Wissen um Japan in einem Maße erweitert und vertieft, wie wohl nur ganz wenige Andere aus früheren Generationen. Wer hat ihm dafür gedankt? Es war gewiß eine Genugtuung für ihn, durch Vermittlung des deutschen Botschafters in Tōkyō vor dem Prinzen Takamatsu, dem Bruder des Kaisers, einen Vortrag halten (№ 3a) und ihm sein Shōtoku-Werk überreichen zu dürfen, so wie später in den fünfziger Jahren seine Nō-Schriften. Aber es mußte ihn bekümmern, daß seine in Japan erschienenen Arbeiten in der Heimat bei weitem nicht die Beachtung finden konnten, welche sie verdienten. … In Hermann Bohner steht vor unserer zünftigen Wissenschaft eine einsame Gestalt, die mancherlei zu denken geben mag. Ihm ging es bei allem Forschen stets um das Zentrale. Das war in der „Japanologie“ für ihn der Logos Japans, japanisch michi oder .
Darin allein lag für ihn Sinn und Wert der Japanologie; um dieses Wertes willen opferte er vierzig Jahre lang unentgeltlich seine freie Zeit und seine beste Kraft. Dabei war er für Menschen aller Art und ihre Nöte aufgeschlossen. Wo jemand sich an ihn um Rat und Hilfe wandte, Japaner, Deutsche, Schweizer, Amerikaner, Schweden, Dänen, da sprang er ein. …
Umso bitterer war für ihn das Schicksal, welches ihn zu der an unseren Hochschulen beheimateten Ostasienwissenschaft ein engeres Verhältnis nicht hat finden lassen. Wohl ist auf der Höhe seines Lebens einmal auch an ihn, wie an jeden Ausländer im Fernen Osten, die Entscheidungsfrage herangetreten, ob es nicht an der Zeit wäre, nach der Heimat zurückzukehren und ihr mit dem im fremden Land und Volk Erarbeiteten zu dienen. Mit seinem großen Wissen und ganz seltenen Verständnis der japanischen Seele hätte er in Deutschland jeder Universität zur Zierde gereichen können. Aber dieser Wendepunkt fiel leider in die unheilschwangeren dreißiger Jahre, und wenn er angesichts der herrschenden Gewissensnot es vorzog, zuzuwarten, kann ihm das nur zur Ehre angerechnet werden. Nach 1945 aber war er für eine akademische Laufbahn in der Heimat schon zu alt, während daheim gleichzeitig die Ostasienforschung zu neuen Taten ausholte. Ihr gegenüber konnte er nur bleiben, was er war; der Japanforscher in der Urgestalt, wenn man so sagen darf, d. h. der Pionier weit draußen auf dem Feld, … Darum sei, was er an Schriften hinterlassen hat, unserer Japanologie ein kostbares Vermächtnis. Dann wird auch die Reinheit seines Strebens, die Größe seiner Leistung und nicht zuletzt die Weite und die Tiefe seiner Schau bei unserer Wissenschaft in dankbar ehrendem Gedächtnis bleiben. (Aus dem Nachruf von W. Gundert)

Inwieweit eine „Gewissensnot“ hinsichtlich des Nationalsozialismus bestand, kann aus dem vorliegenden Material nicht geschlossen werden. [17] Dem NS-Lehrerbund trat er 1935 bei. Immerhin hat Bohner das Werk „» Zen-Worte im Tee-Raume“ dem Nazi-Propagandisten Graf Dürckheim „zugeeignet,“ für das vom Berliner Außenamt finanzierte Propagandablatt „The XXth Century“ geschrieben, im Auftrag der deutschen Botschaft 1942 einen Märchenband für deutsche Kinder im Osten verfaßt und 1941 eine „Professur e.h.“ von der Reichsregierung verliehen bekommen. Insgesamt war er wohl ein unpolitischer Mensch. M. Wachutka (unter Auswertung deutschen Archivmaterials, “A Living Past as the Nation’s Personality:” Jinnō shōtōki, Early Shōwa Nationalism, and Das Dritte Reich; Japan Review, Vol. 24 (2012), S. 141f.) behauptet die Professur e. h. sei lediglich angedacht gewesen. Weiterhin erwähnt er ein Stipendium vom monatlich 300 RM, das Bohner für die Zeit vom 1. Apr. 1944 bis 31. März 1945 erhalten hätte sollen – der zustimmende Akteneintrag dazu stammt allerdings erst vom 12. Feb. 1945 (R 4901, No. B 1091).

Es ist anzunehmen, daß bei Bohner – wie bei vielen Auslandsdeutschen – die Begeisterung für die „nationale Erneuerung“ hauptsächlich darin begründet lag, daß er von seiner fernen Warte nur die propagandistisch-gefilterten „guten“ Effekte sah, obwohl er nach seinem Aufenthalt 1937 im „neuen Deutschland“ enttäuscht war. Andrerseits ist zu beachten, daß Bohner, als kaiserlich-japanischer Beamter im Schuldienst, dem Erziehungserlaß von 1890 zu folgen hatte. [18] Dies schloß natürlich die Lehre des kokutai mit ein. [19] Auch ist seine Bewunderung für die historischen Grundlagen des Nihonjin-ron und des japanischen Ultra-Nationalismus – der eben die von Bohner in den 1930ern übersetzten Schriften als seine Rechfertigung sah bzw. heute wieder sieht – unübersehbar.

Aus grauem Stein gearbeiteter, gebogener Block in dem ein durchdringendes Augenpaar eingearbeitet ist auf Sockel. Im Hintegrund Parkbäume. Vorne eine Haustaube am Pflaster.
Richard-Sorge-Denkmal im nach ihm benannten Park im aserbaidschanischen Baku (2018).

Rückblickend betrachtet eher gewagt erscheinen muß (zu einer Zeit als es üblich geworden war japanische Philosophen, die es wagten die Wahheit der Reichsgeschichten bezüglich des Kaiserhauses auch nur im geringsten anzuzweifeln wegen Majestätsbeleidigung vor Gericht zustellen) daher seine Widmung zu „Seami: der neun Stufen Folge.“ Diese dünne, von der OAG herausgebrachte, Heftchen – laut Druckvermerk am 10. März 1943 erschienen – ist „Eta Harich-Schneider (Vgl. Autobiographie: Charaktere und Katastrophen. Augenzeugenberichte einer reisenden Musikerin; Berlin 1977, Frankfurt 1982, ISBN 3550074816; Kubaczek. Martin; Meide alles, mache Musik und lerne Japanisch – Eta Harich-Schneiders Jahre im Tokioter Exil; in: Pekar, Thomas; Flucht und Rettung. Exil im japanischen Herrschaftsbereich 1933–1945; Berlin 2011, ISBN 978-3863310448) gewidmet.“ Besagte Cembalonistin war bis Anfang 1941 an der berliner Hochschule für Musik lehrend tätig gewesen. Als überzeugte Katholikin den Nazis nicht genehm wurde sie bekämpft, vorsichtshalber kehrte sie von einer Konzertournee aus Tokio nicht ins Reich zurück. In den ersten Monaten ihres Aufenthalts (Sie war in Deutschland schon mit Helma Ott (ex-Kommunistin), Frau des Botschafters, bekannt gewesen und lebte die ersten Monate ihres Aufenthalts auf dem Botschaftsgelände. Die relevanten Kapitel der Autobiographie zur depressiven Botschaftersgattin, die, seit zehn Jahrem ihrem Mann entfremdet, um dessen Verhältnis mit Anita Mohr wußte und die gehäßigen Kommentare über die sicher nicht unbelastete Lilly Abbegg (Nachfolgerin Sorges als Korrespondentin der Frankfurter Zeitung) lesen sich doch sehr nach Stutenbeißen einer damals nicht unattraktiven Frau.) hatte sie ein Verhältnis mit Richard Sorge, der am 18. Oktober 1941 verhaftet wurde (in deutschen Zeitungen erst im Mai 1942 berichtet). Harich-Schneider scheint ab Mai 1941 um seine Spinagetätigkeit gewußt zu haben. Sie war im Fühherbst 1943 wieder im Kansai, später erwähnt sie einen Besuch Bohners und Seckels bei ihr: „[Helmuth Wohltat] … kam noch am 16. März (Welches Jahr ist leider unklar. Das Zitat findet sich in einem Abschnitt, der 1943 behandelt, aber in dem oben auf der Seite, wohl ein Druckfehler, von 1944 die Rede ist. Andrerseits gab sie 1945 am 17. März ein Konzert in Kyoto und am 18. eines im Jesuitenkolleg von Kobe, also nahe Bohners Wohnort. Allerdings ist der Erzählstrang der auf Tagebüchern basierenden Autobiographie auch an anderer Stelle nicht 100% chronologisch.) abends zu mir, zusammen mit Dr. Seckel und Professor Hermann Bohner. Bohner las sehr schön aus dem Blumenspiegel von Seami vor.“

Der unhistorische japanische Film Baruto no Gakuen (japanischer Kinostart 17. Apr. 2006) sollte laut Werbung die Geschichte außergewöhnlicher Völkerverständigung zwischen dem „einfachen Seesoldaten“ Hermann Bohner und dem Lagerkommandanten Toyohisa Matsue (Matsudaira Ken) zeigen. Tatsächlich wird hauptsächlich auf die Geschichte der Erstaufführung von Beethovens 9. Symphonie in Japan eingegangen. Inzwischen ist es zur Tradition geworden, daß Chöre in der Neujahrsnacht den letzten Satz („Ode an die Freude“ – so auch der Titel des Films in Deutschland) singen.