Hermann Bohner – Arbeiten und Veröffentlichungen Ostasien betreffend

Hermann Bohner – Arbeiten und Veröffentlichungen Ostasien betreffend

B: Weiteres historisches Quellenmaterial

Kurzbiographieen  und verwandte geschichtliche Dokumente, erstmalig dargeboten und veröffentlicht in Monumenta Nipponica, Tōkyō

Die leitende Absicht … ist, japanisches Quellenmaterial durch Übersetzung zugänglich zu machen. Sieht man z. B. die ungeheure Reihe der in Gunsho ruijū1 veröffentlichen japanischen Werke, so gewahrt man, wie außerordentlich wenig, trotz der schon geleisteten Übersetzungsarbeiten, verglichen etwa mit dem Romanischen oder andern Gebieten, aus dem riesigen japanischen Quellenmaterial übersetzt vorliegt. Auch nur ein Steinchen oder zwei zur Zugänglichmachung dieses Materials beizutragen, dürfte die Japankunde mehr als vieles andre fördern. (Einleitung zu Tamuramaro-denki; № 5)

Hierbei ist jeweils – mit „Bild im Raum“ – versucht, die betreffende Gestalt der Kurzbiographie im konkret-anschaubaren japanischen Raume zu zeichnen und zu zeigen, an charakteristische Stätte ihres Lebens und Wirkens, ihres noch immer lebendigen Angedenkens, ihrer Verehrung zu führen, vergleichsweise wie es Ravenna, Aachen, Speyrer Dom bei Gestalten unsrer Geschichte sind.


Prof. J. Kraus, SJ

Plan der Schriftleitung (Prof. J[ohannes] Kraus*) war, diese hier erstmals in Übersetzung gegebenen Kurzbiographieen gesammelt herauszugeben. Der frühe plötzliche Tod des Schriftleiters, die schwere Lage nach dem Kriege verhinderten dies. (Ein Plan, der, durch die Verlinkung der einzelnen Artikel bei JSTOR auf dieser Webseite, als ausgeführt angesehen werden kann.)

Als erste „Biographie“ Japans muß wohl diejenige Shōtoku Tai-shi's bezeichnet werden d.i. das Hōōtaisetsu, das im Grunde, vor Kojiki und Nihongi, die erste „Reichsgeschichte“ ist. Kojiki, Nihongi, in deren Berichten jeweils in der Mitte der betr. Tennō (und um ihn sein Reich) steht, mag man als Biographien der Tennō ansprechen. Shōtoku Taishi (№ 2) steht, auch in dem Berichte über ihn, so einzigartig und hoch, dass wir das auch dokumentarisch breite Hōōteisetsu hier nicht den Kurzbiographien eingereiht haben.


Die Monumenta Nipponica werden noch heute von der Sophia Universität herausgegeben. Die Volltexte der Artikel können online über den (lizenzpflichtigen) Zugang bei JSTOR heruntergeladen werden. (Deutsche wissenschaftliche Bibliotheken mit Zugang zu JSTOR [Stand Mai 2006, alternativ über ZDB.]

MN cover

Monumenta Nipponica, an interdisciplinary quarterly journal on Japanese culture and society, was founded in 1938, making it one of the oldest English-language academic journals in the field of Asian studies. Published as an international forum for research on Japan by Sophia University, Tōkyō, MN carries both original scholarly contributions on history, literature, art history, religion, thought, and anthropology, and translations of important Japanese literary and historical sources. Early volumes included articles in German and other European languages, but from volume 19 (1964) English has been the sole language of publication. At present each issue contains on average four articles, including reports on research trends and source materials of note, and fifteen reviews of recent books on Japan.
ISSN: 0027-0741
OCLC: 42882501
LCCN: sn99-23444

Bibliotheksbestände im deutschsprachigen Raum der Druckausgabe (Mai 2006)

Die nachfolgenden Verweise zum „Volltext“ beziehen sich direkt auf diese Fundstellen bei JSTOR (lizenzpflichtig).
Von den Texten № 5-14 existieren Sonderdrucke (meist in LB Speyer, UB Köln, Staatsbibliothek Berlin).


No. 5: Tamuramaro-denki (田村麻呂伝峨)

Monumenta Nipponica Vol. II, 1939
Einleitung: S. 241-250; Text: S. 250-253

Da ist der Hüne, der Riese, der Anführer und Held, der die heranstürmenden Feinde, die Wilden, kämpfend zu Boden schlägt … Die Erregung äußerster leiblicher Not, vergleichsweise wie die der Zeit der Abwehr der raubenden, sengenden, brutalen, alles überflutendem Awaren, Hunnen, Türken oder Russen spielt um diese Gestalt. Die gerade gegründete Hauptstadt mit ihrer Fülle sprießender Kultur hat dieser heldische Tamuramaro vor den wilden Horden der Ebisu gerettet. … Er ist ins Grab gesunken. Man hat ihn aufrecht stehend darin begraben mit allem, was zu solchem Helden gehört. Ist er tot? Das Volk glaubt es nicht, so wenig wie bei Großmeister Kōbō.

Verfasser, Abfassungszeit: Saga Tennō (809-823), bezw. seine Zeit. Bild im Raume: I; Shōgun-dzuka, II; Kiyomizu-dera.

Japanische Textausgabe: Tōkyō 1898 (Keizai Zasshisha), in Gunsho ruijū, 4

Monumenta Nipponica bei JSTOR: Volltext Nr. 5


№ 6 und 7 bilden zusammen die Kaden d.i. die „Haustraditionen“ der Fujiwara

No. 6: Kamatari-den (鎌足伝)

Taishokukan-den. Kaden (家伝) d. i. Haustraditionen (des Hauses Fujiwara) Oberer (Band) [d. h. I.] Monumenta Nipponica Vol. IV, № l, Tōkyō 1941; S. 207-245
Einleitung S. 207-225. Text S. 225-245

Kamatari (614-669), der erste Fujiwara, der Sproß des uralten Kaiser-Assistenz-Geschlecht der Nakatomi, Schöpfer der (für alle späteren Zeiten grundlegenden) Taikwa-Reichserneuerung 645. Ausführliche monographische Einleitung. Bild im Raume: „Unter dem Tsuki-Baume,“ (Tō-no-mine). – Ursprünglich wohl Einzelwerk. Parallelität und Differenzen zu Nihongi untersucht. Terminus ad quem (Kaden) 764

No. 7: Muchimaro-den (武智麿伝)

Kaden (d. i. Haustraditionen Hauses Fujiwara), Unterer Band [d. h. II.]. Monumenta Nipponica, Vol. V,2; Tōkyō 1942
Einleitung S. 126-133; Text (Übersetzung) S. 133-150

Biographie Muchimaro's (680-737), des Enkels Kamatari's; nach Art des amtlich registrierenden Kugybbunin, Lebensdaten an Lebensdaten setzend gegeben. Biographien der beiden Söhne Kamatari's, welche offenbar in diesen Kaden vorhanden waren, fehlen heute.

Japanische Textausgabe: Emi no Oshikatsu (d. i. Fujiwara Nakamao, Verf.); Tōkyō 1898 (Keizai Zasshisha), in: Gunsho ruijū, Bd. 4

Monumenta Nipponica bei JSTOR: Volltext Nr. 6; Volltext Nr. 7.


No. 8: Hanazono Tenno (花園天記), Taishi o imashimuru [? imashieru] no sho (誡太子書)

„Mahnung an den Kronprinzen“ Monumenta Nipponica Vol. I, № 2 Tōkyō 1938 (S. 25-57).
Einleitung: A. Allgemeine Einführung, Gesamtüberblick S. 25-38; B. Spezielle Einleitung. Einige Hauptgedanken. Kaiserliche Schriften S. 39f; Hanazono's Schrift S. 40ff; C. Epilog: Bild im Raum. Text S. 46-53; Anmerkungen S. 54ff.

Eine der summarischsten Schriften zur Erkenntnis japanischer Geschichte und Wesensart, von höchster kenntnisreichster Stelle aus geschrieben. „Hanazono Tenno2 … zur Zeit Go-Daigo's, des schicksalentscheidenden Tenno's und Nachfolgers, an die Adresse des zum künftigen Thronfolger ausersehenen Kronprinzen Kazuhito (Kōgon Tenno [der nördlichen Dynastie, 1332-33]) gerichteten Schrift sieht sich inmitten dieses aufziehenden Chaos: Ran (; „Wirren,“ Wirrnis … Chaos), das ist das immer wiederkehrende Signum dieses Schreibens.“ „Zum grossen Chaos ist es zwar noch nicht gekommen; allein die Chaoskräfte sprossen und gedeihen seit langem, … vielleicht am Tage, da der Kronprinz zur hohen Würde aufsteigt, begegnet er als Schicksal dem Chaos (Ran).“
„Wie eine gewaltige Stele aus edlem Stein mit klaren vollkommenen Schriftzügen … ist Hanazono's Mahnung an den Kronprinzen … Es ist eine Zeit grosser Kultur; man ist gesättigt mit Gütern; perikleische Zeiten sind gewesen, sind gerade vorüber; das sind nicht die Frühanfänge der Asuka, der Nara-Zeit, ländliche Einfalt und Frühe; das ist nicht Heian-Zeit, frühes, manneskräftiges Stadttum, Zucht und māze; man lebt in einer Fülle so, daß man sie für selbstverständlich nimmt; … der Durchschnittsmensch weiß gar nicht mehr, wie hart das Einfachste errungen werden muß, das man überall als selbstständlich existent voraussetzt: Anstand, Reinheit des Wesens, Rechtlichkeit, Gerechtigkeit, Vertrauen von Mensch zu Mensch, vom Einzelnen zum Ganzen und umgekehrt. Will man Hanazono Tennō's „Mahnung“ in wenige Worte fassen, so ist es eben das Ringen um dieses Existenzielle, zur wahren Menschen- und Volksexistenz Unerläßliche, um die toku, die Wesenskraft, ohne die es kein Gelingen gibt. (Aus der Einführung.)

Monumenta Nipponica bei JSTOR: Volltext oder hier.

Japanische Biographie des Verfassers: Zoho Shiryo Taisei Kankokai; Hanazono Tenno shinkan shōū; Tōkyō 1977; [3 Rollen und ein Buch {enthaltend den Text in gedruckter Form} in Kassette; "Photoreprint holographs in Kunaicho Shoryobu collection, with printed transcript"]
Iwahashi Koyata (*1885) [Nihon Rekishi Gakkai]; Hanazono Tenno; Tōkyō 1962, 1990 (Yoshikawa Kobunkan), ISBN 4-642-05187-2
Moderne jap. Ausgaben: Murata Masashi (*1904); Hanazono Tenno iho; Miyagi-ken Miyagi-gun Rifu-cho 1995 (Yogiji), 37S
Hanazono tennō shinki; Tōkyō 1938; 3,6,2,305 S.; Faks. Kyōtō 1965 (Rinsen), ISBN 4-653-00515-X


No. 9: Wake-no-Kiyomaro-den (和気の清麿伝)

Monumenta Nipponica Vol. III, № l, Tōkyō 1940, S. 240-273
Einleitung S. 240-266: Tamuramaro und Kiyomaro S. 241. Yoshida Shōin und Kiyomaro S. 242; Michizane und Kiyomaro; Besuch im Takao-dera S. 243-250. Die Rezeption S. 250-252. Geistige Mächte: Kung S. 252f, Buddha S. 253. Gembō S. 255; Fujiwara Hirotsugu S. 255f. Hauptstadtwechsel S. 257f; Gyōgi S. 257; Rōben S. 257f; Fujiwara Nakamaro S. 258; Dōkyō S. 259f; Kiyomaro S. 260-262, Hachiman von Usa S. 262-266. – Text S. 267-273 (im Gunsho als selbständiges Werk; in das 840 vollendete Nihonkōki aufgenommen).

Wake no Kiyomaro (733-799) steht an entscheidender Wende im der japanischen Geschichte … Kiyomaro rettet etwas, an das, sofern es ein japanisches Wesen gibt, nicht getastet werden kann; von weit Irr läuft die Gefahr gleichsam auf diesen geschichtlichen Punkt, auf diese Krise hin zu; Kiyomaro wendet das Unheil ab; danach kann die Geschichte des japanischen Wesens wieder für Jahrhunderte und länger wachsen; diese Gefahr kehrt nicht wieder.“ Parallelität zu Yoshida Shōin. Der leidende Held (wie, nach ihm, Sugawara Michi. Das einsame Takao. Die Rezeption mit ihren eindringenden Mächten; das Überhandgreifen-wollen der buddhistischen Hierarchen (Gembō, Dōkyō) und Kiyomaro's Widerstand.

Monumenta Nipponica bei JSTOR: Volltext [4,4 Mb]

Japanische Textausgabe: Tōkyō 1898 (Keizai Zasshisha), in: Gunsho ruijū. 4, S. 359-61


No. 10: Tachibana-no-Hayanari-den (橘の逸勢伝)

Monumenta Nipponica Vol. V, № l, Tōkyō 1942, S. 188-202
Einführung: S. 188-198; Michizane und Hayanari, Staat und Schrift: S. 190-196; Hayanari der Staatsmann: S. 196f, Hayanari der Künstler: Werke Hayanari's S. 107-198. Text: 199-202

Tachibana Hayanari (842), der Staatsmann, der Künstler: der große Meister der Schrift, setzt – mit Michizane nach ihm – die Reihe, der leidenden Helden, die Linie Wake no Kiyomaro's fort: nichts für sich, nichts für die eigne Sippe, alles für Tennō und zentrales Geschlecht wollend, werden sie letztlich von den Fujiwara überwältigt und verdrängt. – Hayanari, die grosse Gestalt des Regnum neben Kōbō Daishi, der Gestalt des Sacerdotium; beide das Leben wagend auf kühner Fahrt nach China. – Hayanari, Kōbō und Saga Tennō (reg. 809-23), die drei Großmeister der Schrift.

Monumenta Nipponica bei JSTOR: Volltext [2,9Mb]


No. 11: Kōbō Daishi (弘法大師; 774-835)


Genzi, Lehrer
Kōbō Daishis

Begründer des Shingon-Buddhismus, dem Vajrayana zu vergleichen.

Monumenta Nipponica Vol. VI, (1943) № 1/2, S. 266-313

Text I: Kūkai-Sōzuden die von Bischof Shinzai dem Jünger Kōbō's, Jōwa 2/X/2. Jahr (26.10.835), im Jahre des Todes Kōbō's verfasste Kōbō-Biographie; S. 287-262
II.: Kōbō-Biographie des Shoku-Nihonkōki, Jōgan [Nelson: 859-76] 11. Jahr (899) von Fujiwara Yoshifusa (804-872) vollendet; S. 263-295
III.: Zōdaisōjō-Kūkai-denki, Kampyō, 7/III/10. Jahr (8.4.895) von dem Zasu [Oberpriester bzw. Abt, 座主] des Jōgan-ji (貞顴寺) verfaßt.
IV.: Go-yui-go (御遺告) „Abschiedsworte“ Kōbō Daishi's: Version A, C, D mit Parallelen der Version B.; S. 300-313

Die Arbeit müht sich um eine der grössten Gestalten der Religionsgeschichte, um Kūkai3 (mit posthumem Ehrennamen: Kōbō Dai shi), den betreffend überhaupt noch kein dokumentarisches Material dem Abendlande zugänglich gemacht ist. Sie zeichnet zuerst, einleitend, die „Gestalt,“ im Zusammenhang mit der Frage nach höchster Realität und zeichnet das Leben Kōbō's; gibt sodann eine bibliographisch-detaillierte Liste der „Quellen“ (Abkürzung Q), d.i. der Kōbō-Biographien, von den frühesten an bis in die nahe Gegenwart (l-93) sowie der Eden (Abk. E), d.i. der Kōbō-Bildwerke (E 1-31) und bespricht sodann einleitend die ältesten, grundlegendsten (Q 1-7), welche sodann der nachfolgende Hauptteil der Arbeit übersetzt gibt: Texte I. II. III und vor allem Kōbō's „Abschiedsworte,“ welche in 2 wenig voneinander abweichenden Versionen sowie in einer weit über jene hinausgehenden Version vorliegen. Von dieser letzteren ist der über jene erstere hinausgehende Teil auch hier noch nicht übersetzt veröffentlicht.

Monumenta Nipponica bei JSTOR: Volltext [4,5Mb]


Kōbō Daishi (Miho Museum)

Moderne japanische Ausgaben, Kommentare bzw. Biographien (Auswahl):

(Es wäre interessant zu klären inwieweit sich hier die beiden Brüder Alfred und Hermann gegenseitig zum Thema beeinflußt haben. Alfred hat in seinem aus einem Vortrag bei der OAG weiterentwickelten Buch „Wallfahrt zu Zweien“ seine Pilgerfahrt 1927 zu denn 88 Heiligen Stätten auf Shikoku beschreibend, hat sich darin ausführlich mit K. D., dem legendären „Gründer“ dieser Tour befaßt. Dies allerdings zu einer Zeit, nach nicht ganz drei Jahren in Japan, allenfalls mäßig diie Landessprache beherrschte. Hermann dürfte hierzu gewisse Ratschläge erteilt haben, Kenntnisse zur Region dürfte er während seiner Zeit im Lager Bandō (das nur wenig abseits des Pilgerwegs liegt) erworben haben.)
Wallfahrt zu zweien; Die 88 heiligen Stätten von Shikoku; Leipzig (Verl. Asia Major), angenommen als Dissertation in Bonn 1940. Neu herausgegeben (ohne Kanji), Bremen ² (ehv) von ISBN 9783867417549.

Kōbō Daishi, zu Lebzeiten Kukai genannt, ist einer der vier japanisch umgedeuteten „Himmelskönige“ im TopShitennō-ji (Bilder 2010)

 


No. 12: Haseo no Kyo (長谷の卿) „Vom Alten mit den weissen Stäbchen“

Monumenta Nipponica Vol. VI, No. 1/2 (1943); S. 262-265

Miszelle aus der „Feder“ (dem Pinsel) eines berühmten Heian-Litraten: legendenartige „Biographie“ eines wohl über Hundert-Jährigen.

Japanische Textausgabe: Shinkō Gunsho ruijū, Bd. 3; Tōkyō 1930

Monumenta Nipponica: Volltext  [380k]


No. 13: „Siebengestirn und Mond,“ und einige Iki-Sagen

Monumenta Nipponica Vol. IV, № 2 (1941), S. 303-307
Vorbemerkung S. 303f; Text: Siebengestirn. Die Bergalte. Mädchen von der Teufelsalten verfolgt.

Miszelle. Mitteilung einiger noch heute auf Insel Iki erzählten Uandischen Erzählungen auffällig nahen Sagen und Märchen.

Japanische Textausgabe (Vorlage der Übersetzung): Yamaguchi Asatarō; Iki-shima-mukasji-banashi-shū; Tōkyō 1935

Monumenta Nipponica: Volltext  [500k]


No. 14: Hahn und Uhr

Monumenta Nipponica Vol. I (1938), № 2, S. 314f

Miszelle. Auf der grossen Insel Iki hält man – wie einst wohl in Japan selbst – Hahn und Huhn als Uhr in der Nacht. Um die Eier kümmert man sich nicht. „Wenn der Hahn kräht,“ das ist erstens Mitternacht (der erste Ruf ichiban-dori), oder es ist Morgen (zweiter oder Ruf überhaupt). Auch zählt man in Iki zwei Rufe noch dazwischen. – Solche unscheinbare Miszelle gewinnt Zusammenhang, neutestamentliche Kritik (A. Schweitzer) als Erweis anderer Quelle Marcus 14, 30 („Ehe der Hahn zweimal kräht“) nimmt im Gegensatz zu Matthäus 26, 34, Lucas 22, 34.

Monumenta Nipponica: Volltext  [162k]


No. 15: Massen-Nukemairi (抜参り)

Monumenta Nipponica Vol. IV (1941), № 2, S. 486-496
Bildtafel (Prozession in Ise). Einleitung S. 486-488. Bericht S. 488-495

Über das volkspsychologisch hochinteressante Phänomen plötzlich sich erhebender „heimlicher“ Massen-Wallfahrt zu der heiligsten (Shintō-)Stätte Japans,
Ise: I) Hōei 2. Jahr, 1705 (nach Motoori Norinaga's Tamakatsuma), innerhalb 50 Tagen 3.620.000 Menschen;
II) Meiwa 8. Jahr, 1771 (nach Nukemairi-zenaku-Kyokun-Kagami), berichtete Zahlen 16-25. April von Kyōtō-Seite über 100000, 26.4-7.5. von Osaka-Seite 425.000 (insgesamt von Osaka 724150)
III) Bunsei 13. Jahr, 1830 (damalige Schätzung 403200). – Mit Angaben der gespendeten Opfer, der Preise u.ä.

Monumenta Nipponica: Volltext [1,6 Mb]


Tempelvorhof (Holzdruck von Hiroshige, 18. Jhdt.)

Im Jahre 1957 erschien noch ein weiterer Beitrag:

Honchō Shinsen Den

Monumenta Nipponica Vol. XIII (1957), Nr. 1/2, S. 129-52

„Unseres Landes Götter-Genien Bericht“, verfaßt von Ōe no Masafusa. Eigentlich keine Biographien im klassischen Sinn, mehr Legendäres, eher dem Nihon Ryōiki nahestehend. Behandelt: En no Ubasoku, den Urahn der Yamabushi und Taichō. Es folgt die Nonne Toran, Kyōtai, dann Kōbō Daishi, Shuin, Nichizō und der bedeutende Tendai-Mönch Jikaku Daishi. Das zur Spätperiode der Heian-Zeit entstandene Werk zeigt bereits den Verfall des Kanbun.

Monumenta Nipponica: Volltext  [920 kB]


Weitere Kurzbiographieen und verwandte historische Dokumente, erstmalig übersetzt, liegen manuskriptfertig vor.

Diese, sowie weitere Veröffentlichungen (meist nach 1955) sind in einem eigenen Abschnitt zusammengefaßt. Top Schriften nach 1955.


Anmerkungen:
*) Dr. Johannes Kraus († 1946) war Professor an der 1913 von deutschen Jesuiten gegründeten tokioter Sophia University (Jōshi Daigaku) und 1938 Gründungsherausgeber der MN. Er arbeitete hauptsächlich über japanische Wirtschafts- und Gesellschaftsprobleme („Grundriss der japanischen Wirtschaftsgeschichte“). Dabei stand er dem nationalsozialischen Gedankengut durchaus nahe (Vgl. dazu: Menschenbild und Menschenbildung nach der Ratio Studiorum der Gesellschaft Jesu; in: Bitter, Bruno (Hg.): Sophia Universitaet, 1913–1938; Tokio 1938, S. 10–37. [ ▲ ]

Titelblatt des Gunsho-ruijū

1) Beim Gunsho-ruijū (群書類從; GR), der „klassifizierten Schriftensammlung“ handelt es sich um die wohl wichtigste Sammlung japanischer Geschichtsquellen.
Begonnen wurde die monumentale Sammlung, die sämtliche nach Abschluß der offiziellen Reichannalen erschienenen Geschichtswerke zu erfassen sucht, vom blinden Hanawa Hokiichi (1746-1821, 塙保己一) mit Unterstützung des Bakufu. Die erste Reihe des Produkts vierzigjähriger Arbeit erschien 1819. Sie ist in 25 Sachgruppen gegliedert mit den Volltexten von 1270 Werken. Eine moderne Druckausgabe erschien in 19 Bänden 1894-1912. Bibliographisch erschlossen wird die Sammlung im ab 1953 erschienenen Gunsho-kaidai (30 Bde.) Die Sammlung diente Hermann Bohner als Grundlage seiner Übersetzungen.
Eine zweite Reihe, herausgegeben vom Sohn Hokiichi's, Hanawa Tadatomo erschien ab 1821. Sie gibt unter dem Titel Zoku-Gunsho-ruijū die Texte weiterer 2103 Titel. Als weitere Ergänzung erschienen zwei Zoku-zoku-Gunsho-ruijū. Das erste mit 16 Werken wurde 1903-4 in 5 Bänden gedruckt. Das zweite erschien 1906-9 und führt 304 Quellen in 16 Bänden auf.
Eine weitere von Hanawa Tadatomo begonnene Quellensammlung ist das Dai-Nippon-shiryō, das ab 1901 von der kaiserlichen Universität Tokio herausgegeben wurde. Deren Zweck ist es, eine Dokumentation der tausendjährigen Reichsgeschichte von 887-1867 zu geben.
Druckausgaben und Ergänzungen:

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2) Hanazono-tennō (花園天皇; *1297, 1308-1315 regierend [Nelson: -1318,] † 1348): Tomihito, 95. Kaiser von Japan (1308-18). Dritter Sohn des Kaisers Fushimi. Er folgte gemäß dem Testament des Go-Saga im Alter von elf Jahren dem Go-Nijō bei dessen Tode, während sein Vater in seinem Namen weiter regierte. Zu dieser Zeit machte sich bereits der Verfall der Hōjō und ihrer Regierung stark bemerkbar, so daß sich der Kaiser 1318 in sehr scharfen Bemerkungen darüber äußerte und die Hoffnung des Hofadels auf einen Zusammenbruch der verhaßten Militärkaste stärkte. Nach elfjähriger Regierungszeit dankte er zugunsten seines Vetters Go-Daigo ab und zog sich in den Myōinji zurück, wo er noch dreißig Jahre lebte, ohne Enfluß auf die nachfolgenden Kaiser auszuüben. Er stellte 1346 eigenhändig die Fugashū (風雅集), eine Sammlung von 2201 Gedichten zusammen. (Ramming, Martin (Hrsg.); Japan-Handbuch; Berlin 1940; S. 291) [ ]

3) Zur Person Kukais:

„Sein Andenken wird im ganzen Land bewahrt, sein Name ist in aller Munde, nicht nur als Heiliger, sondern auch als Prediger, Gelehrter, Poet, Maler, Erfinder und großer Kalligraph.“ Es geht um Kukai (774-835 n. Chr.), einem Aristokraten aus Nara, Absolvent der konfuzianischen Akademie Naras, und vielleicht die berühmteste religiöse Galllionsfigur Japans; es heißt, er habe seine erste religiöse Abhandlung im Alter von siebzehn Jahren geschrieben.
Kukai begab sich 804 n.Chr. nach China. Der junge Mönch, der die chinesische Sprache in Wort und Schrift fließend beherrschte, fand Gefallen am Hof von Tang und dem buddhistischen Meister Hui-kuo. Hui-kuo starb im Jahre 805 n.Chr., nachdem er Kukai die geheimen Lehren des Mantrajana (Wahre Worte) übermittelt hatte. Nach seiner Rückkehr nach Japan errichtete Kukai mit Unterstützung des neuen Kaisers die Shingon-(Mantrajana-)Schule in Kioto. Bis zum 12. Jahrhundert war Shingon neben der Tendai-Schule die vorherrschende Richtung des japanischen Buddhismus. Beide Schulen überdauerten lange genug, um andere maßgeblich zu beeinflussen.
Der Name Shingon geht auf das chinesische Chen-yen (Mantra, mystische Silbe) zurück, die chinesischen und japanischen Mantra-Schulen leiten sich wiederum aus dem indischen Tantra ab. Die absolute Wahrheit wird dem Mantrajana zufolge durch die „drei Geheimnisse“ von Körper, Rede und Geist realisiert. Das Rezitieren von Mantras, die Kontemplation durch Mandalas (heiligen Diagrammen) und Mudras (rituellen Gesten) führt zur Erleuchtung.
Die Shingon-Doktrin soll nicht auf den historischen Buddha Schakjamuni, sondern auf den transzendenten Buddha Vairocana – einem der fünf Dhyani-(Meditation) oder Jina- (Eroberer) Buddhas zurückgehen, die mit dem Dharma-kaja, dem höchsten Buddha, identifiziert werden: Schakjamunis Lehre war einfach und für die Öffentlichkeit gedacht; Vairocanas Lehre war subtil und sprachlich kaum zu vermitteln. Die Erhabenheit der universellen Wahrheit galt als Vision Vairocanas und wurde in ausgesuchten Gesten, Mandalas und mystischen Silben dargestellt. Kukai bestand auf der Verwendung des Sanskrit: „Wahre Worte sind in der ursprünglichen Sprache äußerst schwer verständlich, da jedes Wort eine tiefe Bedeutung hat. Diese ändert sich, wenn sich die Laute ändern. Deshalb müssen wir auf die ursprüngliche Quelle zurückgreifen.“
Shingon Mandalas
Der Kosmos wird im Shingon als Manifestation des Buddha Vairocana angesehen. Er besteht aus zwei Teilen: dem höchsten, unzerstörbaren „Diamanten“ (Vajradhutu) und dem stofflichen, dynamischen „Schoß“ (Garbhadhatu).
Alle Realität strömt aus der Vereinigung dieser beiden Gegensätze, die Buddha verkörpert. Diese Lehre ist, wie Kukai meinte, in Wahrheit zu tiefgründig für die Sprache. Mit Hilfe der Malerei wird sie verständlich. Die Kunst offenbart uns den Zustand der Vollendung. (Lowenstein, Tom; Buddhismus; München 1996 (Knaur), S106f)
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